Fokus Talente: Mitarbeiter egal? Personaler überflüssig? Werte statt Leistung?

By | 11. Oktober 2014

„Der Personaler – eine bald überflüssige Spezies?” habe ich im Talentmanagement Blog von VEDA kürzlich gefragt, und mit meiner Frage nach der vermeintlichen Nutzlosigkeit von HR viel Sand – sogar im eigenen Unternehmen – aufgewirbelt. Manchmal muss man provozieren, um Entwicklungen anzustoßen und dass HR sich dringend neu erfinden muss, liegt auf der Hand. Insofern kann die aktuelle Personalerschelte durchaus sinnvoll sein (z. B. Wirtschaftswoche – „Personaler vergraulen Fachkräfte“).

Kritik ist hilfreich, wenn sie konstruktiv ist und aufzeigt, wohin der Weg geht. Zum Beispiel: Die aktuell immer noch überwiegend administrativen Aufgaben von HR werden outgesourct, Routinen mit Software unterstützt und viele wertschöpfende Aufgaben, z. B. im Recruiting, in die Linie übertragen.

Zeugen Outsourcing und Software von geringerem Stellenwert der Mitarbeiter?

Im Gegenteil – der Mitarbeiter steht im Mittelpunkt des modernen Unternehmens und nimmt HR mit dorthin. Sein Wissen, seine Kompetenz und die aus Talent resultierende Leistung treiben Unternehmenserfolg an. Nicht umsonst trägt unser Blog das „Talentmanagement“ im Namen. Talente sind sozusagen die Währung von morgen. (Das waren sie ja schon einmal, eine ziemlich stabile sogar. In der Antike bekam man für nur ein Talent ein ganzes Segelboot!)

Wird HR dabei überflüssig?

Unternehmen tun daher gut daran, ihre Talente ins Trockene zu bringen. Wer sollte das tun, wenn nicht die Personalabteilung oder – neudeutsch – das „People Business“. Ergo – die veränderte Sicht auf die Mitarbeiter verändert die Sicht auf HR, verändert deren Aufgaben. Was bleibt, ist die Tatsache, dass jemand die Arbeit machen muss. Neu ist, dass Unternehmen erkannt haben: Wer die Arbeit gerne macht, macht sie auch besser.

(Neue) Werte bestimmen die Leistung von morgen!

Nicht mehr der pure Effizienzgedanke steht im Vordergrund, Innovationen sind die Pfründe, mit denen Unternehmen wuchern können und sollen. Gewinn entsteht durch Wachstum, nicht durch Kostenreduktion. Wachstum wiederum entsteht durch neue Produkte und kluge Lösungen. Mit diesen Lösungen neue Märkte zu erschließen und mutige Geschäftsmodelle zu etablieren, ist unsere Aufgabe als Unternehmer.

Die Treibkraft der Innovation schafft ein Arbeitsumfeld, in dem die Effizienz der menschlichen Arbeitskraft (in ihrer banalsten Ausprägung des „Präsentismus“) nicht mehr die Hauptrolle spielt. Die seit der industriellen Revolution gelernte Gleichung – weniger Arbeitsstunden = weniger Output (also sinkende Produktivität) – hatte durchaus ihre Gültigkeit. Das war in Zeiten, in denen die Arbeitskraft im klassischen produzierenden Sinn gefordert war. Aber in der digitalen Revolution definiert sich Leistung (Performance) nicht mehr durch Arbeitskraft und Anwesenheit sondern durch das gesamte Wissen, Tun und Können der Mitarbeiter. Dieser Paradigmenwechsel verlangt nach einem neuen Nährboden, auf dem Kreativität, Eigeninitiative und Verantwortung gedeihen können. Die Herausforderung geht an die Führungskräfte und vor allem an HR, die erforderliche Unternehmenskultur und ein gemeinsames Werteverständnis zu schaffen. Personaler sind gut beraten, frühzeitig Methoden und Systeme zu entwickeln, um das Zusammenspiel von Performance und Beitrag zur Unternehmenskultur ihrer Mitarbeiter zu messen. Ganzheitliche Ansätze des modernen Performancemanagements, wie kürzlich in der Personalwirtschaft (s. Beitrag) beschrieben, schaffen die Waage zwischen Leistung und „Kuscheln“.

Werte statt Leistung? Nein, Werte UND Leistung.

Denn mit diesem geänderten Leistungsverständnis passen sich auch die Sichtweisen der Generation Y in die Unternehmenskultur ein. Die Kuschelgeneration der Selbstverwirklicher legt Wert auf Sinnhaftigkeit, stellt viele Fragen, auch sich selbst öfter in Frage. Sie streben nach Glück und wollen sich wohlfühlen, um zu leisten. Da stellt sich mir als Unternehmer auch eine Frage: Ob wir mit der Generation Y in die Zahlungsunfähigkeit kuscheln?

Ich hoffe es nicht! Aber – siehe oben – manchmal muss man provozieren, um zu verändern.

 

Mit besten Grüßen

Ihr Ralf Gräßler für VEDA und das Competence Site Team

 

PS: Falls Sie sich immer noch fragen, ob das wirklich so funktioniert mit der Generation Y – eine aktuelle Studie von Oxford Research und SAP mit dem Titel „Workforce 2020 – The Looming Talent Crisis“ bringt hier ein wenig Entwarnung: „Millenials are different, but not as different as companies think“.

 

PPS: Zukunftsinitiative Personal am Dienstag (14.10.) auf der Zukunft Personal

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Diese Themen – Werte, Mitarbeiter und die HR-Abteilung der Zukunft – treiben uns auch in der Zukunftsinitiative Personal. Es freut mich, dass am kommenden Dienstag die Kollegen von der ZiP das Thema aufgreifen und hoffentlich wieder kontrovers diskutieren. Termin und Ort finden sich unten unter Top-Angebot!

 

PPPS: Competence Book Talent Management

15_Competence-Book_TalentmanagementDas Competence Book „Talent Management“ ist auch rechtzeitig fertig geworden und ich freue mich, dass ich hierbei für die ZiP einen Rahmenbeitrag beisteuern konnte.

Mit dabei sind hochkarätige Experten aus Forschung und Praxis. Professor Jäger eröffnet das Buch mit seinem Editorial, Fachbeiträge aus der Praxis wurden von Vertretern der Unternehmen Kienbaum, SAP / Success Factors, Oracle / Taleo, Haufe / umantis, DDI und perbit beigesteuert.

One thought on “Fokus Talente: Mitarbeiter egal? Personaler überflüssig? Werte statt Leistung?

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