Wenn Studenten, Manager und die HR-Wirklichkeit aufeinandertreffen

Ein Bericht vom Event der „Zukunftsinitiative Personal“ in Saarbrücken am 27. Januar 2015 von Anna Pitsch-Schreiber

A.            Das Abenteuer Zukunft ruft …

Generation-Y, die neue Arbeitswelt, neue Werte, …: Wer kennt sie nicht die neuen Begrifflichkeiten der Arbeit 4.0. Und auch die Klassiker wie Karriereaussichten, Bewerbungsverfahren und Work-Life-Balance sind weiterhin Themen, die uns Studenten bewegen. Die Vorstellungen zu diesen Themen, vor allem die Wunschvorstellungen davon, sind wahrscheinlich so vielfältig wie Menschen vielfältig sind. Trotzdem ist eine Frage ganz spannend: Wie nah sind sich vor allem die Generationen in ihren Vorstellungen oder droht uns in Zukunft vielleicht sogar der „clash of generations“? Was aber genau ist überhaupt diese Zukunft? Genau darum ging es bei der großen Zusammenkunft in Saarbrücken, als die Zukunftsinitiative Personal (= ZiP) Manager und Studenten zum Dialog einlud. Das Abenteuer rief uns, um die „Anderen“ besser kennenzulernen und mehr zu vielen Fragen zu erfahren. Dazu mehr später.

B.            Vorweg zu meiner Person …

Pitsch-SchreiberZunächst einmal – ich bin Generation-Z – einige Angaben zu meiner Person 😉 (oder sagt man nicht, dass die Generation-Z das Ich in den Vordergrund stellt?) Ich jedenfalls stehe kurz vor dem Ende meines Masterstudiums und je näher der Abschluss kommt, desto wachsamer verfolge ich die oben genannten Themen um die Zukunft der Arbeit, der Arbeitswelt und des Personalmanagements, aber auch der Karriere-Optionen in der Zukunft. In dieser Lebensphase werden unbelastete Berufseinsteiger wie ich auf die „profitorientierte“ und „eigennützige“ Arbeitgeberwelt vorbereitet. Die oft kontrovers diskutierten Themen lassen für mich viele Fragen offen, auch weil Studierende selten die Chance haben sich mit potentiellen Arbeitgebern über die angeführten Themen auszutauschen. Als ich an der Universität Saarbrücken auf dem Flyer die Stichworte „management meets students“ und „Zukunftsinitiative Personal“ las, erkannte ich daher sofort die Chance, diesen Schwachpunkt zu ändern. Das Netzwerk der ZiP war bis zu dem Zeitpunkt zwar für mich als Nicht-HR-Student unbekannt, aber die Logos auf dem Flyer von bekannten Arbeitgebern deuteten auf ein vielversprechendes Vorhaben hin.

C.            Und dann ging es los …

So zögerte ich nicht lange! Die Bewerbung erfolgte mit einem Lebenslauf und einer kurzen Begründung des Teilnahmewunsches. Am selben Tag kam schon die Zusage und ich hatte eine Woche Zeit, um mir die zugeschickten Informationen anzuschauen. Für den Event-Tag war ein komfortabler Fakultätssaal vorgesehen. Die Veranstaltung fing mit der persönlichen Begrüßung durch den Moderator Herrn Felser an, es wurden Erfrischungsgetränke serviert und die vorbereiteten Namenskarten verteilt. In der Vorstellungsrunde stellte ich fest, dass unter den Teilnehmern sowohl Berufstätige und Absolventen als auch Studierende aus den verschiedensten Fachrichtungen vertreten waren: Physiker, Ingenieure, Wirtschaftswissenschaftler, Juristen und Wirtschafts-informatiker. Auch die Profile der eingeladenen Manager waren breit aufgestellt und kamen aus der Stahlindustrie, Software-Entwicklung, Personalberatung und dem öffentlichen Dienst. Alle gemeinsam hatten wir das Ziel unsere Ansichten über Arbeitswelt, Recruting und Unternehmenskultur auszutauschen und die aktuellen Entwicklungen auf diesem Gebiet zu diskutieren.

D.            Dreimal im World Café und dann im Podium …

Der Tag war dann gut und produktiv durchgestaltet, bot aber auch Freiraum für das von allen Teilnehmern gewünschte Networking. Um die Unterhaltung produktiver zu gestalten, haben die ZiP-Mitglieder drei sogenannte „World Cafés“ zu den Themen „Arbeitswelt“, „Recruting“ sowie „Unternehmenskultur“ eröffnet. Eingeteilt in Gruppen rotierten wir durch alle drei Cafés und erarbeiteten zu jedem Thema unsere Visionen.

Der Vorteil bei einer solchen Arbeitsmethode liegt in der Intensität. Mit jeder Runde hatten die Gruppen das Thema vertieft und die angesetzten drei Stunden verliefen bei spannenden Gesprächsrunden wie im Fluge.

World Cafés – ZIP meets students

12.00 Uhr     Start der Veranstaltung – Get-Together

13.00 Uhr     Begrüßung der Teilnehmer und Erläuterung der Vorgehensweise

13.30 Uhr     Start der einzelnen World Cafés

16.00 Uhr     Zusammenfassung der Ergebnisse durch die Studenten

Am Nachmittag wurden dann nach einem Impulsvortrag die Ergebnisse präsentiert:

Networking – Management meets Students

17.00 Uhr      Impuls-Vortrag von Univ.-Prof. Dr. Stefan Strohmeier

17.15 Uhr      Vorstellung der Ergebnisse aus den Cafés

17.45 Uhr      Podiumsdiskussion

19.00 Uhr      Get-Together

E.             Und was kam bei unseren World Cafés raus …?

Nach den Diskussionsrunden sollten wir unsere Ergebnisse auf anschauliche Art und Weise präsentieren. Wer die „design thinking“-Methoden kennt, der ist mit dem weiteren Verlauf bestens vertraut. Nach der Ideenfindung aus den World Cafés haben alle Teilnehmer gemeinsam innerhalb einer knappen Stunde ohne Anleitung die Aufzeichnungen sortiert und priorisiert. Jeder hat für sich drei Aspekte pro Thema gewichtet, womit sich die jeweiligen Schwerpunkte herauskristallisieren ließen. Um diese Ergebnisse lebendig zu vermitteln, entschieden wir uns für „storytelling“ und zeichneten eine Persona mit ihren Charakteristika auf.

Was unsere Arbeitsergebnisse in Saarbrücken angeht, so gilt wie stets, dass vor allem das erwähnenswert ist, was von vorherigen Kenntnissen abweicht. Hier konnten wir in Saarbrücken vor allem durch die eindeutige Gewichtung unserer Interessen und Zukunftswünsche eine eindeutige Botschaft formulieren.

In allen drei World Cafés bzw. Themenbereichen konnte man feststellen:

  • weit vor „Gehalt“ und anderen „harten Faktoren“
  • betonten wir Teilnehmer durchgängig „weiche Faktoren“ wie „Anerkennung“, „Arbeitsatmosphäre“, „Vertrauenskultur“ und vor allem auch „Kreativität“ und „sinnerfüllte Arbeit“.

Wenn dies repräsentativ ist und wir hier einen Perspektivwechsel erkennen, bedeutet dies auch für Unternehmen eine wesentliche Rahmenbedingung für die eigene Unternehmenskultur, die Arbeitswelt und die eigenen Prozesse, Systeme und Kommunikationsansätze. Wer wertschätzt heute schon wirklich Bewerber so wie sie es sich wünschen oder setzt auf Jobvideos für das wechselseitige Kennenlernen?

kairosAbb 1: Hoch priorisierte „weiche Faktoren“ in Saarbücken, Kairos statt Kronos

Aber auch die Originalität mancher Antworten wird mir als Teilnehmerin nachhaltig in Erinnerung bleiben wie z.B. „power napping“ bzw. „Schlafen“ als wichtiger Aspekt der Arbeitsumgebung. Power napping ist für den deutschen Mittelstand sicherlich noch ein ungewöhnlicher Ansatz. Wer aber den Anforderungen entsprechen will, muss sich dem stellen. Aber auch weniger exotische Ideen sollten reflektiert werden wie eine „dialogische Gestaltung von Arbeitsinhalten“ und die „artgerechte Führung“ 😉 (damit wurde gemeint, dass Arbeit und Führung auf Bewerber zuzuschneiden sind).

Im Anhang habe ich im Detail die Ergebnisse unserer Arbeitsgruppen dokumentiert. Im Überblick seien nur die wichtigsten Aussagen der World Cafés zusammengefasst bzw. das Ranking unserer Zukunftswünsche dokumentiert:

Bei der UNTERNEHMENSKULTUR sind uns am wichtigsten …

Kriterien Arbeitgeber

  1. Arbeitsatmosphäre
  2. work-life-balance
  3. Aufstieg, Spaß, Familienfreundlichkeit und modernes Unternehmen

Unternehmenskultur

  1. Visionen und Innovationen
  2. Chef gerne duzen, empowerment und Flexibilität

Unternehmensimage

  1. Ethik
  2. Transparenz
  3. Ranking

Bei der ARBEITSWELT wünschen wir uns …

Karriere

  1. Anerkennung
  2. Abwechslung
  3. erfüllte Arbeit

Zukünftige Arbeit

  1. Zeitliche Flexibilität
  2. „Arbeitsmenge, gesunde Mischung, Phasen“
  3. Stolz, Sichtbarkeit eigener Wertschöpfung und „abwechslungsreich, kreativ“

Arbeitsumgebung

  1. trusted based
  2. power napping
  3. inspirierenden, sympathischen Team und gesunde Arbeitsumgebung

Beim RECRUITING steht an erste Stelle…

  1. persönliches Kennenlernen auf Jobmessen und über Videos
  2. Wertschätzung durch HR
  3. Transparenz zum Bewerbungsprozess

F.             Und was sagten Manager dazu …?

Mit unseren „Blütenträumen“ wagten wir uns dann in die große Runde. Die Diskussion zwischen Studenten und Managern war so intensiv, dass jeder, der sich meldete, sich gleich zu mehreren angesprochenen Aspekten äußerte. So wechselten die Fragen von Grundfragen zur Existenz der Generation-Z und des Fachkräftemangels, über die Auslegung von Stellenausschreibungen bis zu Arbeitgeberwünschen an uns.

Die Atmosphäre war offen. Niemand scheute sich eine einfache, aber ehrliche Frage zu stellen, worauf es auch ehrliche und begründete Antworten gab. Management und HR-Abteilungsleiter fanden unsere Ansprüche z.T. unrealistisch. Auf der anderen Seite gaben sie zu, dass sie zum einen vor 20-30 Jahren dieselben Erwartungen hatten – es aber nicht gewagt hätten, diese Ansprüche auf work-life-balance, Elternzeit, flexible Arbeitszeitformen, Erfolgsbeteiligung und Transparenz dem Arbeitgebern zu kommunizieren. Das mussten sie sich noch erarbeiten. Zum anderen legten sie „damals“ auf Image und Philosophie eines Unternehmens weniger Wert (im Vergleich zur heutigen Generation), es war eher das Gehalt entscheidend.

Die Zeiten haben sich verändert. Unsere Eltern und die Studierenden selbst investieren heutzutage viel mehr Zeit und Geld in das Studium, Auslandsaufenthalt sowie in geringfügig bis unbezahlte Praktika. Die hohen Anforderungen und die starke Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt zwingen einen dazu hart zu arbeiten, um auf den grünen Zweig im Leben zu kommen. Die Absolventen sind gut ausgebildet und qualifiziert. Sie treten selbstbewusst auf und legen viel Wert darauf dass ihre persönlichen Werten mit denen des Unternehmens im Einklang stehen.

Im Ganzen ein inspirierender und erfolgreicher Tag!

Saarbrücken war für mich insgesamt ein inspirierender und erfolgreicher Tag. Wer nähere Details zu den Ergebnissen, den drei Managern und einige Studenten-Feedbacks wissen möchte, findet weitere Informationen im Anhang.